
Hochlastzeitfenster werden von jedem Netzbetreiber für jedes Kalenderjahr neu festgelegt und für jede Spannungsebene und Jahreszeit ausgegeben. Das bedeutet: Jedes Jahr gibt es neue Hochlastzeitfenster, die sich je nach Jahreszeit und Spannungsebene unterscheiden.
Das sorgt für Unsicherheit. Gerade wenn Batteriespeicher extra für die Atypik angeschafft werden, können Veränderungen in den Hochlastzeitfenstern schnell die Wirtschaftlichkeit gefährden. Doch unsere Analyse von mehreren hundert Netzbetreibern zeigt: Auch wenn sich neue Hochlastzeitfenster nicht vorhersagen lassen, folgen Änderungen in den meisten Fällen einem klaren Muster, das böse Überraschungen unwahrscheinlich macht. Die Ergebnisse im Detail:
Die Bestimmung von Hochlastzeitfenstern ist simpel. Der Netzbetreiber betrachtet dafür im Herbst die Last der vergangenen vier Jahreszeiten. Im Herbst 2026 werden also der Herbst 2025, der Winter 2025/2026 sowie Sommer und Frühling 2026 betrachtet.

Über den zurückliegenden Zeitraum wird die Höchstlast bestimmt. Von dieser werden 5% abgezogen. Das ist der Schwellenwert für die Hochlastzeitfenster.
Nun wird geprüft, wann diese Schwelle überschritten wurde. Anhand dieser Überschreitungen werden nun die Hochlastzeitfenster bestimmt. Lag die Last bspw. zwischen 15:00 und 15:15 an einem Tag im Herbst über dem Schwellenwert, ist im folgenden Jahr das Zeitfenster von 15:00 bis 15:15 ein Hochlastzeitfenster.
Das Ergebnis dieser Prüfung – die Hochlastzeitfenster – werden dann vom Netzbetreiber bis zum 31.10. für das kommende Jahr veröffentlicht.
Die Stadtwerke München veröffentlichen auf ihrer Webseite die Lastkurven, die zur Bestimmung der Hochlastzeitfenster verwendet wurden. Aus der Grafik lässt sich gut erkennen, wie vorgegangen wird. Die schwarze Linie ist der Schwellenwert. Pro Jahreszeit wird dann eine Maximallastkurve gebildet (farbige Linien). Überschreitet die Höchstlast den Schwellenwert, ist das Zeitfenster im Folgejahr ein Hochlastzeitfenster.

Wir haben die Hochlastzeitfenster von mehreren hundert Netzbetreibern analysiert. Daraus konnten wir die folgenden Heuristiken für das Auftreten von Hochlastzeitfenstern ableiten:
96% aller Netzbetreiber haben Hochlastzeitfenster im Winter, 75% im Herbst. Nur 18% haben Hochlastzeitfenster im Frühling, 14% im Sommer. 74% aller Netzbetreiber haben weder im Sommer noch im Frühling ein Hochlastzeitfenster.

Das bedeutet: Hochlastzeitfenster treten primär im Herbst und im Winter auf. Das ist besonders interessant für Betriebe mit saisonalem Stromverbrauch. Ein Kühllager beispielsweise hat in der Regel einen höheren Stromverbrauch in den warmen Frühlings- und Sommermonaten, sodass der Lastgang nicht signifikant angepasst werden muss, um sich für die Atypik zu qualifizieren.
Bei den betrachteten Netzbetreibern beginnt das frühste Hochlastzeitfenster um 6:30. Das späteste endet um 21:00. Innerhalb dieser Zeiten fallen bei der Analyse aller Netzbetreiber zwei Spitzen auf:

Nachmittags zwischen 14:00 und 16:30 gibt es verhältnismäßig wenige Hochlastzeitfenster. Bei einem typischen Netzbetreiber gibt es also in der Regel zwei Blöcke an Hochlastzeitfenster: Eins am Vormittag und eins am frühen Abend. Für einen Batteriespeicher bietet das die Möglichkeit, zwischen den beiden Fenstern aufzuladen.
Die Veränderung von Jahr zu Jahr ist schwerer in Zahlen zusammenzufassen. In unserem Set zeigt sich aber eine hohe Konstanz: 58% aller Netzbetreiber haben Hochlastzeitfenster in den exakt gleichen Jahreszeiten wie im Vorjahr.
Und auch bei den Netzbetreibern, bei denen sich die Jahreszeiten ändern, halten sich diese Änderungen in Grenzen: kleine Hochlastzeitfenster verschwinden und kleine Hochlastzeitfenster tauchen auf.
Bei den Stadt- und Überlandwerken Luckau-Lübbenau kommt zum Beispiel ein einzelnes Hochlastzeitfenster (90 min) im Herbst in 2026 hinzu. Der Winter bleibt nahezu unverändert. Lediglich das Fenster am Vormittag wird 30 Minuten länger.

Bei Enervie verschwinden hingegen zwei kurze Hochlastzeitfenster. Das 2h15-Fenster im Frühling gibt es 2026 nicht mehr, genauso wenig wie das 30-Minuten-Fenster im Herbst.

Die allermeisten Hochlastzeitfenster sehen aber aus wie bei den Elektrizitätswerken Reutte. Die Zeiten bleiben nahezu unverändert. Die Hochlastzeitfenster 2026 wachsen und schrumpfen nur an den Rändern und erinnern deutlich an das Schema der Fenster aus 2025.

Hochlastzeitfenster dürfen nicht länger als 10 Stunden pro Tag sein. Damit ist die Baseline gesetzt: Das ungeeignetste Hochlastzeitfenster für die Atypik ist ein einzelner, zehn Stunden lang dauernder Block. Auf der anderen Seite muss mindestens die Viertelstunde, in der die Jahreshöchstlast aufgetreten ist, Hochlastzeitfenster sein. Das atypik-freundlichste Hochlastzeitfenster ist also ein einzelnes 15-Minuten-Fenster.
Die meisten Hochlastzeitfenster liegen aber zwischen diesen Extremen. Um diese nach ihrer Eignung für die Atypik zu bewerten, müssen zwei Faktoren beachtet werden:
Ein einzelnes 3h-Fenster ist effektiver mit einer Batterie zu handhaben als vier 1h-Fenster, die jeweils nur von 15-Minuten-Fenstern unterbrochen werden. Um diesen Umstand zu berücksichtigen, haben wir einen Score entwickelt, der die Attraktivität auf einer Skala von 0 (sehr attraktiv) bis 10 (unattraktiv) zusammenfasst.
Die Stadtwerke Görlitz (siehe unten) haben bspw. nur zwei Hochlastzeitfenster im Winter mit 30 bzw. 45 Minuten. In den restlichen Jahreszeiten liegen keine Hochlastzeitfenster. In diesem Netzgebiet muss ein Speicher die Lastspitze also maximal für 45 Minuten senken können, um die Voraussetzungen für die Atypik zu erfüllen – Score: 0,8.

Die Westfalen Weser Netz (siehe unten) hingegen hat ein Fenster von 8h15, gefolgt von 45 Minuten Pause und einem weiteren 1h45 Hochlastzeitfenster. Nach über 8 Stunden Entladung hat der Speicher also nicht mal eine Stunde, um sich wieder zu füllen, bevor das nächste Hochlastzeitfenster beginnt. Eine Batterie in diesem Netzgebiet muss also für über 8 Stunden ausgelegt sein, um die Lastspitze zuverlässig zu senken – Score: 9,2.

Hochlastzeitfenster werden immer im Oktober für das folgende Jahr veröffentlicht. Als Grundlage dient die Gesamtlast im Netz über die letzten 12 Monate. Die kommenden Hochlastzeitfenster lassen sich nicht vorhersagen. Die Evidenz zeigt aber klare Muster:
Haben Sie also aktuell nur ein kurzes Hochlastzeitfenster im Winter, ist es sehr unwahrscheinlich, dass Sie im nächsten Jahr von einem langen Hochlastzeitfenster im Sommer betroffen sind. Das größte Risiko bilden wahrscheinlich lange Hochlastzeitfenster mit einer kurzen Pause dazwischen. Sollten diese im nächsten Jahr zusammenrücken oder gar zusammenwachsen, hat ein Speicher wenig Raum, sich aufzuladen.